Gesundheits-News

Engpass in den Atemwegen
Asthma und Heuschnupfen in der Pollensaison unter Kontrolle bringen


(djd/pt). Heuschnupfen und Asthma haben viele Gemeinsamkeiten. Wie eng die beiden Atemwegserkrankungen miteinander verwandt sind, bekommen Asthmapatienten jedes Jahr in der Pollensaison zu spüren: Juckende Augen, Niesattacken, laufende Nase und geschwollene Schleimhäute sind die typischen Symptome, die bereits vorhandene Asthmabeschwerden noch verstärken können. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bis zu 80 Prozent aller Asthmatiker zusätzlich unter einer sogenannten "allergischen Rhinitis", dem medizinischen Begriff für Heuschnupfen, leiden. Und das ist nicht ganz ungefährlich. Denn durch einen Heuschnupfen gerät die Asthmakontrolle bei vielen Patienten aus dem Gleichgewicht. Umgekehrt kann sich aus einer allergischen Rhinitis leicht ein Asthma entwickeln. Etwa jeder dritte Heuschnupfenpatient leidet bereits unter asthmatischen Beschwerden. Daher ist es besonders wichtig, dass beide Atemwegserkrankungen wirksam behandelt werden. Am Expertentelefon gaben vier erfahrene Spezialisten den Anrufern praktische Hinweise, wie sie Heuschnupfen behandeln und ein bereits vorhandenes Asthma unter Kontrolle bekommen können.


Prof. Dr. med. Winfried Randerath, Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Bethanien, Klinik für Pneumologie und Allergologie in Solingen. Direktor des Wissenschaftlichen Instituts für Pneumologie an der Universität Witten/Herdecke. Schwerpunkte: Lungen- und Bronchialheilkunde, Schlafmedizin.

Dr. med. Harald Mitfessel, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Innere Medizin, Allergologie, Umweltmedizin in Remscheid. Weitere Schwerpunkte: Lungenfunktionsprüfung, Inhalationstraining, Asthmaschulung und Seminare für chronische Bronchitis-Patienten.

Dr. med. Falko Panzer, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, pädiatrische Pneumologie und Allergologie in Mannheim. Weitere Schwerpunkte: Kindgerechte Lungenfunktionsprüfung, Inhalationstraining, Asthmaschulung.

Dr. med. Rüdiger Sauer, Facharzt in einer pneumologischen Gemeinschaftspraxis für Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie, Schlaf-, Sozial- und Umweltmedizin in Ulm. Weitere Schwerpunkte: Asthmaschulung, Asthmasport, Atemtherapie, Asthmakontrolle.


"Tapfer durchhalten" ist der falsche Weg
Die Pollensaison wird für die meisten Asthmatiker Jahr für Jahr zu einem Balanceakt. Denn die allergische Reaktion in der Nase kann auch die Bronchien beeinflussen und umgekehrt. Die Entzündungsprozesse, die die Ursache bei Asthma und der allergischen Rhinitis sind, entsprechen sich weitgehend – sie treten nur in unterschiedlichen "Etagen" der Atemwege auf. Um zu verhindern, dass sich aus einem vermeintlich harmlosen Heuschnupfen ein Asthma entwickelt, warnen Experten vor „tapferem Durchhalten“ in der Pollensaison. "Auftretende Beschwerden sollten möglichst frühzeitig antiallergisch behandelt werden", rät der Ulmer Lungenfacharzt Dr. Rüdiger Sauer. Der Erkrankung rechtzeitig zu begegnen, empfiehlt auch Professor Dr. Winfried Randerath: "Sonst kann sie leicht auch auf die unteren Atemwege übergreifen und die Entzündungszellen der Bronchialschleimhaut aktivieren“. Man geht davon aus, dass bei früher Diagnose und frühem Behandlungsbeginn die Prognose für den Krankheitsverlauf günstig ist. Daher sollten vor allem Eltern, die selbst unter Asthma oder allergischer Rhinitis leiden, ihre Kinder regelmäßig untersuchen lassen. Denn bei der Entstehung beider Krankheiten spielen auch Erbfaktoren eine wichtige Rolle. "Die Wahrscheinlichkeit, an Asthma zu erkranken, liegt besonders hoch (bei mindestens 60 Prozent), wenn beide Eltern Asthmatiker sind", weiß Dr. Harald Mitfessel. Doch auch wenn nur ein Elternteil oder eines der Geschwister von Heuschnupfen oder Asthma betroffen ist, entwickelten immer noch 20 bzw. 40 Prozent der Kinder asthmatische Beschwerden, erklärt der Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde.

Asthmakontrolle fördert die Lebensqualität
Grundsätzlich ist Asthma durch eine Überempfindlichkeit der Bronchien gekennzeichnet und führt immer wieder zu Atemnot und Hustenanfällen. Eine Vielzahl allergischer und nicht allergischer Reize können Asthmaanfälle auslösen. "Auch körperliche oder emotionale Belastungssituationen können zu einem Asthmaanfall führen, bei dem Botenstoffe ausgeschüttet werden, die die Atemwege verengen“, betont Dr. Falko Panzer. Typischerweise gehört neben Stress auch Sport zu den Auslösern, erklärt der Mannheimer Kinderpneumologe. Asthmapatienten sollten jedoch keinesfalls auf körperliche Aktivität verzichten. Eine langfristige antientzündliche Basisbehandlung kann in diesen Fällen helfen, die Beschwerden unter Kontrolle zu bekommen. "Wird Asthma jedoch nicht wirksam behandelt, kann es zu dauerhaften Einschränkungen der Lungenfunktion kommen", warnt Prof. Randerath: "Ein Teil des Lungengewebes verliert seine Funktionsfähigkeit und eine sogenannte chronische obstruktive Bronchitis bildet sich aus, die die Atemwege permanent verengt und die Leistungsfähigkeit einschränkt."

Den Kortisonbedarf reduzieren
Mit modernen Medikamenten lässt sich die Erkrankung inzwischen in den meisten Fällen so gut kontrollieren, dass man kaum Einschränkungen hat. „Die Behandlung sollte immer aus zwei Komponenten bestehen: Aus einem sogenannten "Reliever" - also einem Notfallmedikament, das eine akute Atemnot schnell beseitigen kann - und einem "Controller", der die Entzündung in den Atemwegen langfristig unterdrückt", erklärt der Solinger Lungenfacharzt. Der Reliever ist ein Wirkstoff, der die Verkrampfung löst und die verengten Bronchien erweitert. Entzündungshemmende Medikamente, wie z. B. kortisonhaltige Substanzen, helfen dagegen nicht beim akuten Asthmaanfall. Sie bekämpfen langfristig die Entzündung in den Atemwegen und tragen so dazu bei, die Beschwerden dauerhaft unter Kontrolle zu bekommen. Zusätzlich zu einer Kortison-Therapie können auch sogenannte Leukotrien-Antagonisten eingesetzt werden, die eine Verbesserung der Asthmakontrolle und eine Reduzierung der Kortisongabe ermöglichen können. Prof. Randerath: "Der Leukotrien-Antagonist Montelukast blockiert bestimmte Botenstoffe der asthmatischen Entzündung, die sogenannten Leukotriene, und sorgt dafür, dass diese keinen Schaden mehr anrichten können. So wird die Entzündung eingedämmt." Das macht sich auch in der Pollensaison bemerkbar. Denn bei Patienten mit allergischer Rhinits, bei denen Kortison nicht ausreicht, hat sich diese Behandlung besonders bewährt.

--- Daten/Fakten oder Kurztext ---
Weitere Informationen zum Thema Asthma und Heuschnupfen:
Deutsche Atemwegsliga: www.atemwegsliga.de
Informationen und Services zu Asthma und Allergien: www.asthma-balance.de
Patientenliga Atemwegserkrankungen: www.patientenliga-atemwegserkrankungen.de
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB): www.daab.de/index.cfm
Asthma bei Kindern: www.elternratgeber-asthma.de



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