Das Restrisiko bleibt
Blutmedikamente bergen trotz besserer Verfahren noch immer Gefahren
(djd/pt). Tausende Deutsche, die unter einer Gerinnungsstörung des Blutes leiden, haben sich vor einigen Jahrzehnten bei der Behandlung ihrer Krankheit ein zusätzliches Gesundheitsproblem eingefangen. Denn viele Hämophiliepatienten, auch Bluter genannt, wurden in den 70er Jahren durch unsaubere Blutpräparate mit dem Hepatitis-C-Virus angesteckt, der Fall machte Schlagzeilen.
Die Angst geht noch immer um
Die Gefahr einer Hepatitis-Neuinfektion droht den Blutern dank verbesserter Verfahren bei der Herstellung von aus Blut gewonnenen Medikamenten inzwischen nicht mehr. Dennoch können aus Spenderblut hergestellte Medikamente nach wie vor gefährlich sein. Davor warnt die Virologin Professor Susanne Modrow vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg. In einer groß angelegten Studie konnte sie nachweisen, dass Blut häufig mit Viren verseucht ist, die sich nicht herausfiltern lassen. "Jedes aus Menschen oder Tieren gewonnene Produkt ist potenziell mit Infektionserregern belastet, die beim Menschen Krankheiten auslösen können", warnt Modrow. Besonders gefährlich seien neue Varianten bekannter Viren oder neue, noch nicht erforschte Infektionserreger.
Damit birgt ein aus Blut gewonnenes Medikament für Hämophiliepatienten noch immer Gefahren. Kürzlich gab es sogar einen beunruhigenden Todesfall in England: Bei einem 70-jährigen männlichen Bluter wurde nach seinem Tod eine Infektion mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit festgestellt.
Sichere Medikamente sind zu wenig bekannt
Aus Plasma hergestellte Gerinnungsfaktoren sind also nach wie vor nicht absolut sicher. Einen Ausweg bieten Präparate, bei denen die Gerinnungsfaktoren ohne Blut und damit absolut rein gewonnen werden. Sie werden als rekombinante Faktorpräparate bezeichnet und bieten einen hundertprozentigen Schutz vor der Übertragung von Viren. Obwohl die Krankenkassen die synthetisch hergestellten Gerinnungsfaktorpräparate erstatten, werden sie in Deutschland noch relativ selten eingesetzt.
--- Daten/Fakten oder Kurztext ---
Die Virologin Professor Susanne Modrow von der Universität Regensburg konnte nachweisen, dass Blutmedikamente häufig mit Viren verseucht sind.
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