Beruhigung für die Nervenfasern
Der Expertentipp zu chronischen Rückenschmerzen
(djd/pt). Stress, Bewegungsmangel und Übergewicht ziehen viele Krankheiten nach sich, dazu gehören auch chronische Rückenschmerzen. Rund 20 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer leiden über Monate, manchmal Jahre unter quälenden Beschwerden - Tendenz steigend. Auch bei Jugendlichen zeigen sich immer häufiger schmerzhafte Symptome von Fehlhaltungen, Nacken- und Schulterverspannungen oder psychischer Belastung. Hält der Schmerz über einen längeren Zeitraum an, "verliert er seine Warnfunktion und wird zu einer eigenständigen Krankheit", erklärt der Berliner Schmerztherapeut Selcuk Bas den Teufelskreis. Das Gravierende daran: Die Schmerzzellen verändern sich. Sie reagieren plötzlich empfindlicher auf Reize und signalisieren dem Gehirn auch bei schwächeren Impulsen einen Schmerz.
Erregbarkeit der Nerven senken
Um das Leiden erträglich zu machen, nehmen viele Patienten Schmerzmittel ein. Die Wirkstoffe sind recht preiswert, können aber Nebenwirkungen haben. "Anhand von Zusammenfassungen vorhandener Daten aus bereits gelaufenen Studien konnte man feststellen, dass der Dauergebrauch von hohen Dosen dieser NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen kann", warnt Bas. Hinzu kommt, dass diese Mittel längerfristig zu Magenproblemen führen. Aus diesem Grund wenden Experten seit einiger Zeit muskelentspannende Medikamente mit dem Wirkstoff Flupirtin an. Selcuk Bas: "Flupirtin wirkt auf die schmerzverarbeitenden Nervenfasern „abdichtend“ und vermindert deren Erregbarkeit." Es lindert so den Schmerz über 24 Stunden und sorgt zugleich für Entspannung.
Die Psyche entlasten
Die Wahl des Medikaments ist jedoch nur Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts, das physiotherapeutische Aspekte ebenso umfassen sollte wie Maßnahmen, um die psychische Situation der Betroffenen zu verbessern (weitere Informationen unter www.trancolong.de). "Der Umstand, dass unglückliche Menschen deutlich häufiger an Rückenschmerzen leiden, ist sogar wissenschaftlich belegbar", weiß Bas. Wie die Erfahrung zeigt, bekommt ein Teil der Betroffenen seine Schmerzen deshalb mit zusätzlichen Entspannungsübungen, Yoga und Meditation in den Griff.
--- Daten/Fakten oder Kurztext ---
Fluchtreflex zieht Schmerzen nach sich
Chronische Rückenschmerzen können ein Zeichen psychischer Überlastung sein - davon ist auch Selcuk Bas überzeugt. Der Schmerzspezialist hat eine eigene Erklärung für die Zusammenhänge: "Meine persönliche Theorie ist, dass wir als biologische Wesen in Situationen, die uns nicht gefallen, etwa ein schlechter Arbeitsplatz oder eine unglückliche Beziehung, einen Fluchtreflex entwickeln. Der geht mit einem erhöhten Muskeltonus einher - der Muskel wird sozusagen auf „Warmlaufen“ geschaltet. Dann kommt aber nichts mehr, denn die soziale Prägung verbietet uns sozusagen die Flucht. Ein Teufelskreis entsteht."
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